Alte Schlosserei: Reduce-reuse-recycle-upcycle (2020)

   
Nahe dem Dorfzentrum der Marktgemeinde Innichen, in der Draustraße und in deren unmittelbaren Umgebung, existierte früher ein Handwerksgebiet für verschiedene Gewerke (Tischlereien, Schuster, Schmiede und Schlosser). Mitglieder der Eigentümerfamilie der Alten Schlosserei sind seit Generationen als Schlosser tätig. Seit den 1950er Jahren waren die Werkstätten, Wohnungen und Büros der Familie Schäfer am heutigen Bauplatz untergebracht. Dabei war es immer so, dass sich die Arbeits- und Wohngebäude, je nach Bedarf vergrößerten, bis vor ca. 15 Jahren eine neue Schlosserhalle am Dorfrand bezogen werden konnte. Dies bedeutete für das Unternehmen mehr Entwicklungsmöglichkeiten – außerdem wurde die lärmintensive Tätigkeit aus der unmittelbaren Zentrumsnähe verbannt. Die ehemalige Schlosserei wurde nun auf Basis eines Wiedergewinnungsplans in ein Wohngebäude umgewandelt. Diese Wiedergewinnung steht dabei im Zeichen des Ursprungs "Schlosserei". Das ehemals zweigeschossige Gebäude mit seiner klaren statischen Struktur und der stabilen Decke wurde erhalten, im südlichen Teil wurde noch ein Geschoss daraufgesetzt. Das gesamte Ensemble besteht aus dem Haupthaus und der ehemaligen Halle. Insgesamt enthält es mehrere Wohneinheiten, welche teilweise an Touristen vermietet werden und eine Bar (Bistro) mit angeschlossenem Bioladen.

Da die Schlosserei schon vor ca. 10 Jahren ausgezogen war, stapelten sich (auch hier) alte Möbel und allerlei.
Die ehemalige Halle besteht im südlichen Teil aus einem großzügigen dreigeschossigen Einfamilienhaus für die Eigentümerfamilie und im Zwischenbereich aus einer Wohneinheit. Der Entwurf ist so ausgelegt, dass mit minimalen Eingriffen das Einfamilienhaus in bis zu drei Wohnungen und die Wohnung im Zwischenbereich in 2 Wohnungen verwandelt werden kann.
     
Baubeginn: Es werden neue Blicke freiSchalung für Sichtbetondecken

Schneefall als Baubegleitung

Materialkonzept:
Beton, einfache Fichtenholzwände, Lehmkasein-Boden


im Bau: Südfassade mit starkem Gartenbezug

Die Bleche, die korrosionsbedingt mit der Zeit matter werden, reflektieren abstrakt die Umgebung, das Gebäude scheint teilweise aufgelöst.


Lukas Mayr Architekt
Alte Schlosserei (2020)
Team: Lukas Mayr, Anna Schäfer, Julian Mahlknecht
Bauherr: Rosa Arnold Schäfer und Eduard Schäfer
Statik/Sicherheit: Dr. Ing. Ralf Pellegrini Baukanzlei
Bauunternehmen: Dravus 
Metallfassade/Schlosserarbeiten: E. Schäfer
Holzbau/Trennwände: Alexander Gruber
Heizung/Sanitäre: Rainer  
Elektroinstallationen: Daniel Kirchler
Fensterbau: Nagá
Malerarbeiten/Lehmboden: Baur&Steinwandter
Innentüren: Gustav Sulzenbacher
Ofenbau: Egon Fill
Fotos: Oliver Jaist

siehe auch Projekt: Rosa (2018)

Innichen, Draustraße 8︎︎︎ 
Der Anschluss an das Haupthaus von Norden - hier geht es um den 2. Blick.
Das Haus ist außerdem in sich selber wandelbar: Trennwände aus Holz und teilweise Decken können, für die Veränderung des räumlichen Gefüges, herausgenommen oder an definierten Stellen einfachst eingebaut werden. Für den architektonischen Entwurf, das Weiterbauen, waren grundsätzlich folgende Punkte wichtig: Mit einer gewissen Sentimentalität sollte der Bezug „Schlosserei“ sichtbar erhalten bleiben und das Reduce-reuse-recycle-upcycle-Prinzip sollte möglichst konsequent angewandt werden (Es wurden zum Beispiel fast ausschließlich gebrauchte Möbel verwendet, auch wenn diese für sich selber nicht unbedingt wertvoll sind). Qualitätsvolles Bauen mit reduziertem Budget war ebenfalls gefragt. Treppenhaus: Stufen aus geschliffenen Beton, Wände roh, Profilglas: Referenz an den Bestand Zentraler Raum im „Einfamilienhaus“

Blick Richtung Treppenhaus und Küche…
in der Küche: der Tisch kann auf Arbeitshöhe verstellt werden, so können alle 6 Familienmitglieder gemeinsam kochen…
Das Projekt entstand im offenen Dialog mit der Bauherrschaft, alle sechs Familienmitglieder waren in die Projektentwicklung eingebunden. Eine Tochter des Hauses, heute Architektin, damals Architekturstudentin, absolvierte ein Praktikum bei Lukas Mayr - alle Schlosserarbeiten (Fassade, Teile der Dachkonstruktion, aber auch die Küche) wurden von der Schlosserei des Bauherrn gebaut. Das Gebäude ist ein Hybrid: die konstruktiven Elemente bestehen aus Mauerwerk, Beton, Stahl und Holz. Das Materialkonzept für den Innenraum lebt von den bestehenden Materialien wie Mauerwerk und Beton, eingefügt wurde unbehandeltes Fichtenholz für die Trennwände und die Dachuntersicht. Die neuen Böden wurden mittels Lehm-Kasein ausgeführt und unterstreichen den industriell-handwerklichen Charakter.

Dem Projekt liegt das raue, handwerkliche, metallische - auch unfertige – und nicht zuletzt die Einbeziehung der Gebirgslandschaft und dem direkten Bezug zum Garten als Inspiration zu Grunde. Die nahen Gipfel der Dolomiten (Haunold) werden in den Innenraum geholt. Die unmittelbare Umgebung wird durch die metallische Fassade (die mit den Jahren matter wird und – immer schöner) abstrakt reflektiert, die Farben der Jahreszeiten schimmern in der Fassade. Im Winter liegt viel Schnee, das Gebäude schimmert weiß, im Frühling wird’s grünlich, im Herbst dann golden…

Der Wohnraum: Aus Prinzip werden alte Möbel genutzt, auch wenn sie für sich selber nicht wertvoll sind…


Zentralraum im Dachgeschoss

Mark
                           ︎